Was Themen sein können und warum jedes Erleben zählt
- Tina W.

- 25. Sept.
- 2 Min. Lesezeit
Oft verbinden wir das Wort Trauma mit außergewöhnlichen Ereignissen: Unfälle, Gewalt, schwere Verluste. Und ja, all das kann Spuren hinterlassen. Doch genauso können es Erfahrungen sein, die von außen betrachtet vielleicht unscheinbar wirken und die doch im Inneren etwas bewegt haben, das bis heute spürbar ist. Denn entscheidend ist nicht, wie „groß“ oder „sichtbar“ etwas war, sondern wie unser Nervensystem darauf reagiert hat. Unser Körper erinnert. Er speichert, was er damals nicht vollenden konnte, und zeigt uns manchmal noch Jahre später, dass etwas in ihm unverdaut geblieben ist.
Viele Menschen sagen von sich: „Ich habe kein Trauma.“ Und vielleicht stimmt es, dass in deinem Leben keine offensichtlichen Katastrophen passiert sind. Doch Trauma beschreibt nicht nur das große Ereignis, sondern die Wirkung im Inneren. Das, was unser Nervensystem damals nicht integrieren konnte und was heute noch mitschwingt. Oder, wie Peter Levine es ausdrückt:
„Trauma has become so commonplace that most people don't even recognize its presence. It affects everyone. Each of us has had a traumatic experience at some point in our lives, regardless of whether it left us with an obvious case of post-traumatic stress.“
Dieses Zitat macht deutlich: Trauma ist Teil des Menschseins. Es ist nichts, wofür wir uns schämen müssten und es ist nichts, was uns lebenslang gefangen halten muss.
Was Themen sein können
Erlebnisse wie Unfälle, Operationen oder Krankheiten
Verluste, Trennungen oder Veränderungen, die schwer zu verdauen waren
Kindheitserfahrungen – fehlende Sicherheit, zu viel Verantwortung, wenig Resonanz
Momente, in denen wir uns hilflos, ausgeliefert oder allein gelassen fühlten
Dauerhafte Überforderung durch die Schnelligkeit und den Druck unseres Alltags
oder auch einfach dieses diffuse Empfinden: „Etwas fühlt sich nicht stimmig an.“
Trauma ist kein Etikett und keine Schublade, sondern beschreibt die Weise, wie unser Nervensystem Erfahrungen verarbeitet hat. Deshalb ist es sehr individuell, was uns prägt – und wie es sich zeigt.
Ein kleines Beispiel für dich
Stell dir vor, jemand hatte einen Fahrradsturz. Äußerlich ist alles längst verheilt, doch beim Gedanken ans Radfahren zieht sich der Körper jedes Mal zusammen. Das Nervensystem erinnert den Schreck, auch wenn der Kopf längst sagt: „Das ist vorbei.“ Oder jemand hat nie ein konkretes Ereignis im Kopf, spürt aber ein leises, ständiges „Ich darf nicht zur Last fallen“. Dieses Gefühl beeinflusst das ganze Leben und führt oft dazu, dass eigene Bedürfnisse keinen Platz finden. Das Nervensystem hat ein Muster entwickelt um zu schützen.
In beiden Fällen geht es nicht darum, die Erfahrung einzuordnen oder zu bewerten. Es geht darum, dass sie im Körper und im Erleben noch präsent ist und dass genau dort Begleitung hilfreich sein kann.
Wir sind geprägt von Erfahrungen, Erinnerungen, Verletzlichkeit und Stärke. Und manchmal braucht es nur einen sicheren Raum, um wieder spüren zu können: Ich bin da. Ich bin mehr als meine Muster. Ich darf mich neu erfahren.



